Übersicht
Sie haben sich entschlossen, Ihren bisher unerfüllten
Kinderwunsch behandeln zu lassen.
Einige Praxen in der Bundesrepublik Deutschland haben sich auf
die Diagnose und Therapie der ungewollten Kinderlosigkeit
spezialisiert.
Die Bandbreite der Behandlungsmöglichkeiten reicht dabei vom
klärenden Arztgespräch bis hin zu aufwendigen operativen
Eingriffen.
Besonders im letzten Jahrzehnt hat uns die Wissenschaft eine
Fülle an Erkenntnissen und Wegen zur Bewältigung der ungewollten
Kinderlosigkeit beschert. So koennen heute viele ueberwiegend
aussichtslose Fälle erfolgreich behandelt werden.
Die Entscheidung, welche der zahlreichen und vielfach durch
Abkürzung verschlüsselten Behandlungsmethoden (z.B. IVF, ICSI,
MESA...) die richtige für Sie ist, hängt von sehr vielen
Faktoren ab und wird nur nach gründlicher Untersuchung beider
Partner gemeinsam mit Ihnen getroffen.
Die nachfolgende Broschüre soll Sie über die wichtigsten
modernen Behandlungsverfahren informieren und auf diese Weise
helfen, die Kooperation zwischen Arzt und Patient optimal zu
gestalten.
Die Fruchtbarkeit des Menschen ist die Grundlage seiner Existenz.
Sie gehört, ähnlich wie das allgemeine Wohlbefinden,
zu den selbstverständlichen Dingen des Lebens, die man erst
registriert, wenn sie nicht wie gewünscht und erwartet
funktionieren.
Nach inoffiziellen Schätzungen bleibt etwa jede siebte Ehe ungewollt
kinderlos; das bedeutet, daß in Deutschland über eine Million
Paare mit unerfülltem Kinderwunsch leben. Dabei wird in den
letzten Jahren, besonders in den Industrieländern, eine stetige
Zunahme der Sterilität beobachtet.
In etwa 30% der Fälle liegt die Ursache der Sterilität bei der
Frau. Bei ca. 30-40% der Paare ist die Fortpflanzungsfähigkeit
des Mannes gestört und in 30-40% bestehen sowohl weibliche als
auch männliche Sterilitätsursachen.
Nach Beginn der Regelblutung reift im Eierstock der Frau im
sogenannten Follikel (Eibläschen) innerhalb von zwei Wochen eine
Eizelle heran. Dieser Vorgang wird, ebenso wie der Eisprung,
hormonell gesteuert. Durch den Eisprung wird die Eizelle vom
Eierstock freigegeben und gelangt in den Eileiter. Dieser
übernimmt den Transport der Eizelle in die Gebärmutter. Während
des Geschlechtsverkehrs werden Millionen von Spermatozoen
(Samenzellen) in der Scheide deponiert, von wo aus sie durch den
Gebärmutterhals und die Gebärmutter in die Eileiter einwandern
und dort die Eizelle befruchten. Auf ihrem Weg von der Scheide bis zum
Eileiter wird die Anzahl der Samenzellen stark vermindert,so daß
letztlich nur wenige (10-500) bis zur Eizelle gelangen und nur ein
Samenfaden in sie eindringt. Die befruchtete Eizelle (Embryo)
teilt sich noch im Eileiter mehrfach und nistet sich nach 5-6 Tagen in
der Gebärmutter ein.
Die menschliche Fortpflanzung gehört zu den hochspezialisierten
und kompliziertesten Vorgängen, die in unserem Körper ablaufen.
Sie besteht aus vielen Teilprozessen, die allesamt ohne Störung
funktionieren müssen, soll es zu der gewünschten Entstehung
neuen Lebens kommen. Deshalb ist auch die Fruchtbarkeit des Menschen
bei weitem nicht so hoch wie stets angenommen wird.
Tatsächlich werden nur etwa 25% der Frauen in dem von ihnen
gewünschten Zyklus schwanger.
Die Fortpflanzungsstörungen lassen sich in drei Kategorien
zusammenfassen:
- Störungen bei der Entstehung und Reifung von Eizellen und
Spermatozoen
- Hindernisse,die ein zeitgerechtes Zusammentreffen von Eizelle
und Samenzelle verhindern
- Defekte an Eizelle und Spermatozoen, die die Befruchtung
direkt stören.
Ungewollte Kinderlosigkeit kann ihre Ursache darin haben, daß
nicht genügend befruchtungsfähige Samen- oder Eizellen gebildet
werden. Die Bildung von befruchtungsreifen Eizellen kann erst
nach gründlicher Analyse der Bluthormone zuverlässig
nachgewiesen werden. Störungen des Hormonhaushalts, die die
Eizellreifung behindern, können u.a. durch mangelhafte Funktion
der Eierstöcke, der Hirnanhangsdrüse, der Schilddrüse oder
der Nebennierenrinde bewirkt werden. Diese Störungen lassen sich
vielfach mit Hilfe besonderer Medikamente, so z.B. mit Hormonpräparaten, erfolgreich behandeln. Beim Mann läßt sich
durch eine mikroskopische und funktionelle Untersuchung der Samen-
flüsssigkeit die ausreichende Produktion von qualitativ
hochwertigen Spermien überprüfen. Die Bildung von Millionen
beweglicher und normal aussehender Spermatozoen ist aufgrund der
hohen Verluste im weiblichen Genitaltrakt notwendig. Störungen
der Samenzellproduktion können im Hormonhaushalt des Patienten
begründet sein. Zumeist handelt es sich jedoch um direkte
Defekte des Hodens oder um derzeit noch unbekannte Ursachen. Die
medikamentöse Behandlung des Mannes ist zur Zeit nur in wenigen
Fällen erfolgreich. Dagegen kann heute sehr vielen Männern, bei
denen keine Spermien im Ejakulat nachgewiesen werden konnten,
durch einen operativen Eingriff am Hoden bzw. Nebenhoden geholfen werden
(MESA, TESE, ... , siehe auch Kapitel "Die assistierte
Fertilisation").
Allgemeinerkrankungen (z.B. Grippe) haben einen nachteiligen Effekt auf die
Ejakulatqualität.
Eine häufige Ursache für unerfüllten Kinderwunsch bilden
Hindernisse, die ein Zusammentreffen von Eizelle und Spermatozoen
verhindern. Hierzu zählen insbesondere verklebte Eileiter,
Verwachsungen im Bereich der Eierstöcke und schlechte Qualität
des Zervixmukus (Muttermundschleim). Auch Antikörper gegen Samenzellen
können deren Wanderung verhindern.
Die Behandlung dieser Art von Störungen ist die eigentliche
Domäne der modernen Fortpflanzungsmedizin. Hier es gibt operative und
instrumentelle Maßnahmen, um den Eizell-Spermatozoen-Kontakt zu
ermöglichen.
Weitestgehend ohne Behandlungserfolg waren bislang direkte Störungen
an Eizellen und Spermien, die das Eindringen in die Eizelle verhinderten.
Heute können mit Hilfe der Microinjektion selbst dann Befruchtungen
und eine Schwangerschaft erzielt werden, wenn die Samenzellen eine abnorme
Form und Beweglichkeit aufweisen. Auch Eizellen mit einer undurchdringlichen,
weil zu dicken oder veränderten Hülle (Glashaut, Zona pellucida),
können auf diese Weise erfolgreich behandelt werden.
Als Ursache von Unfruchtbarkeit werden auch Chromosomenanomalien in Keim-
zellen beobachtet, d.h., ein Kind kann aufgrund fehlerhafter Erbinformation
nicht gezeugt werden.Insbesondere bei Frauen über 40 scheint ein hoher
Anteil der Eizellen genetisch verändert zu sein, so daß sich hier
auch aus diesem Grund eine verminderte Befruchtungsfähigkeit,
erhöhte Fehlgeburtsrate und Mißbildungshäufigkeit bemerkbar
machen.
Ein noch weitgehend unerforschtes Feld stellt die Einnistung der Eizelle in
der Gebärmutterschleimhaut dar. Hier werden neue diagnostische und
therapeutische Verfahren erst in Ansätzen sichtbar, und eine ab-
schließende Beurteilung ist noch nicht möglich. In vielen
Fällen hat es sich aber als günstig erwiesen, die zweite
Zyklushälfte, die als Gelbkörperphase, mit Hormonen wie
Progesteron (Gelbkörperhormon) oder HCG zu unterstützen.
Vor der Behandlung der ungewollten Kinderlosigkeit ist eine Vielzahl
diagnostischer Schritte notwendig, aus denen ersichtlich werden soll,
welcher Art die Sterilitätsursache ist und welche Maßnahmen
getroffen werden müssen, um diese Störung zu beheben oder
doch zumindest zu umgehen. Es müssen daher folgende Punkt
geklärt werden.
Bei der Frau:
- psychosomatische Störungen
- hormonelle Störungen
- Eileiterdurchgängigkeit
- Endometriose (Ansiedlung der Gebärmutterschleimhaut außerhalb
der Gebärmutter = Verwachsungen)
- Verträglichkeit des Muttermundschleims mit die Spermien
- Antikörper gegen Spermatozoen
- Allgemeinerkrankung
Bei dem Mann:
- psychosomatische Störungen
- hormonelle Störungen
- Hodenschaden
- Spermaqualität
- Verträglichkeit der Spermien mit dem Muttermundschleim
- Antikörper gegen eigene Spermatozoen
- Bakteriologie
- Allgemeinerkrankung
Bei sehr vielen Patienten mit unerfülltem Kinderwunsch bestehen
hormonelle Störungen, die nicht zuletzt durch die
Kinderlosigkeit selbst verursacht werden können
(psychosomatische Störungen). Daher steht die Korrektur der
hormonellen Verhältnisse zumeist an erster Stelle der
Behandlung. Auch erfordern die meisten modernen Verfahren der
Fortpflanzungsmedizin eine hormonelle Stimulation, um den
Eisprung genau festzulegen und (wie z.B. bei der In-Vitro-
Fertilisation) um die Anzahl der Eizellen und somit die Chancen
für eine Schwangerschaft zu erhöhen. Die hormonelle Stimulation
beginnt zumeist am 3.- 5. Zyklustag mit der Einnahme von
Tabletten (z.B. Clomifen, Stimovul ...) oder der Verabreichung
von Spritzen (z.B. Humegon, Pergonal, Fertinorm, Menogon ...).
Die von außen zugeführten Hormone regen die Eierstöcke an,
mehrere Follikel (Eibläschen) mit darin reifenden Eizellen
heranzubilden. Das Wachstum der Follikel kann mit Hilfe von
Blutanalysen der Eierstockshormone genau beurteilt werden. Auch
der Zeitpunkt des Eisprungs wird auf diese Weise festgelegt. Mit
Hilfe des Hormons HCG (z.B. Cordon, Phrenesie, Predalon ...) wird
der Eisprung bis auf 2-3 Stunden genau ausgelöst und so eine bzw.
mehrere reife Eizellen für die Behandlung (Insemination, IVF, GIFT,
ICSI ... siehe unten) bereitgestellt.
Bei Patientinnen, bei denen aus vorherigen Stimulationen
Reifungsstörungen der Eizellen bekannt sind oder gar ein
vorzeitiger LH-Anstieg (LH ist ein Hormon der Hirnanhangdrüse
und bewirkt u.a. den Eisprung) registriert worden ist, wird ca.
7 Tage vor der erwarteten Regel eine Behandlung mit GnRH-Analoga
(Decapeptyl, Zoladex, Synarela, Suprefact ...) begonnen, um einen
vorzeitigen Eisprung bzw. vorzeitige Alterung der Eizellen zu
verhindern. GnRH-Analoga gibt es als Spritzen (auch mit Depot-
Wirkung) und als Nasenspray.
Die Stimulation der Eierstöcke ist eine sehr aufwendige und auf
engmaschige Kontrolle durch den Arzt abgestimmte Therapie. Die
Patientin muß sich ab dem 7.- 8. Zyklustag mehreren
Ultraschalluntersuchungen und Blutentnahmen unterziehen. Bei
drohender Überstimulation (übermäßiges Wachstum der Eibläschen
und Vergrößerung der Eierstöcke) muß die Stimulation abgebrochen
werden. Die Auslösung des Eisprung unterbleibt.
Bei der Insemination unterscheidet man die homologe und die
heterologe Insemination. Bei der homologen Insemination wird der
Samen des Ehemannes, bei der heterologen Insemination Samen von
einem Spender (Sperm Bank) verwendet.
Die Insemination ist eine Behandlung, in der das Sperma mit
Hilfe einer Spritze und eines dünnen flexiblen Katheters in den
Muttermund, die Gebärmutter oder in die Eileiter eingespritzt
wird (siehe GIFT-Therapie). Sie ist sinnvoll in Fällen, wenn
normaler Geschlechtsverkehr nicht durchführbar ist, wenn am
Muttermund und in der Gebärmutter ungünstige Verhältnisse für
Samenzellen bestehen (schlechter Muttermundschleim,
Antikörper...) und/oder die Anzahl gesunder Spermien sehr gering
ist oder keine lebenden Spermien vorhanden sind.
Die Eileiter müssen durchgängig sein. Für die Insemination
werden die Spermien "gewaschen". Der Waschvorgang befreit die
Spermien von der Samenflüssigkeit und aktiviert sie auf diese
Weise. Darüber hinaus können "gewaschene" Samenzellen tiefer in
den Genitaltrakt der Frau eingebracht werden, ohne eine
nachteilige Reaktion des weiblichen Organismus zu befürchten
(selten Krämpfe). Der Erfolg dieser Therapie, die
Schwangerschaft, ist in den ersten sechs Zyklen zu erwarten,
sonst ist eine weitergehende Diagnostik (z.B. Laparoskopie) und
Therapie(z.B. IVF) angezeigt: Je nach Voraussetzung liegen die
Schwangerschaftraten zwischen 6% und 25% pro Zyklus. Den größten
Einfluß auf den Erfolg hat dabei, und das gilt auch für alle
anderen Methoden der assistierten Fortpflanzung, die Spermienqualität.
Sowohl die homolog als auch die heterologe Inseminationen können auch in
Kiel, Schleswig-Holstein, durchgeführt werden.
Die GIFT-Behandlung ist ein Verfahren, das sich bei Paaren
bewährt hat, bei denen die Ursache für die Kinderlosigkeit
unbekannt ist. Voraussetzung für die Durchführung der GIFT ist
die freie Durchgängigkeit der Eileiter (Tuben).
Man kann den intratubaren Gametentransfer entweder
laparoskopisch, d.h. durch Bauchspiegelung oder durch die
Scheide und Gebärmutter (transuterine GIFT) vornehmen lassen.
Im ersten Fall werden Eizellen von oben, durch die Bauchdecke
aus den Eierstöcken mit einer feinen Nadel abgesaugt, in einer
Nährlösung gesammelt uns beurteilt. Danach werden drei reife
Eizellen gemeinsam mit besonders präparierten Spermien in einen
dünnen Plastikschlauch (Katheter) aufgezogen und unter Sicht des
Operateurs in den Eileiter deponiert. Bei der transuterinen GIFT
erfolgt die Punktion der Eibläschen von untern durch die
Scheidenwand. Danach werden Eizellen und Spermien durch die
Scheide und Gebärmutter in den Eileiter vorgeschoben und dort
plaziert.
Die Vorteile der GIFT: Eizellen und Spermien werden in sehr
engen Kontakt gebracht und die Befruchtung sowie die ersten
Teilungsschritte der Embryonen finden in ihrer natürlichen
Umgebung, nämlich im Eileiter statt. Ein wesentlicher Nachteil
der GIFT-Methode: Wenn die Patientin nicht schwanger wird, läßt
es sich nicht beurteilen, ob die Befruchtung der Eizellen
überhaupt gelungen ist. Die Erfolgsrate bei der GIFT liegt
zwischen 10% und 40% und hängt vor allem von der Samenqualität
und dem Alter der Patientin ab. Auch hormonelle Störungen
beeinflussen die Erfolgschancen.
Die In-Vitro-Fertilisation, auch bekannt unter der Bezeichnung
Extra Corporale Befruchtung (ECB) oder Retortenbefruchtung, ist
insbesondere dann angezeigt, wenn die Eileiter verschlossen sind
oder gänzlich fehlen: Aber auch bei Paaren mit unbekannter
Sterilitätsursache oder schlechtem Spermabefund wird die IVF er
folgreich durchgeführt. Neben der Bedeutung als Behandlungsverfah-
ren hat die IVF einen hohen Erkenntniswert für die weitere
Therapie. Kommt es nämlich zu einer Befruchtung in der IVF, sind
weitere, Behandlungsschritte sinnvoll. Bleibt dagegen einer
Befruchtung reifer Eizellen aus, verbleibt häufig nur als letzte
Behandlungsmöglichkeit die Durchführung der Microinjektion. In
den meisten Fällen erfordert die IVF-Behandlung eine Stimulation
mit Hormonen, beginnend am 1.bis 3. Zyklustag. Wie bereits im
Abschnitt "Die hormonelle Stimulation" geschildert, werden
Hormontabletten und/oder -spritzen verabreicht. Mit Hilfe von
Blutanalysen und Ultraschllüberwachung des Wachstums der
Eibläschen wird der Zeitpunkt der HCG-Injektion (den Eisprung
auslösendes Hormon) festgelegt und damit der Tag und die Stunde
der Follikelpunktion (36 Std. nach HCG) bestimmt. Die
Eizellgewinnung erfolgt unter Ultraschallsicht mit Hilfe einer
feinen Nadel. Gewöhnlich wird die Patientin hierzu örtlich an
der Scheidenwand betäubt.
Durch ein Schlauchsystem werden die Eibläschen abgesaugt. Sodann
wird im Labor die Follikelflüssigkeit auf das Vorhandensein von
Eizellen untersucht. Werden Eizellen gefunden, kommen sie in
eine Nährlösung (Kulturmedium), wo sie bis zum Einsetzen in die
Gebärmutter (Embryotransfer) ca. 40-70 Stunden verbleiben.
Nach der Punktion ruht sich die Patientin aus und kann dann nach
Hause gehen. Parallel zu der Punktion bzw. kurz danach gibt der
Ehemann seinen Samen ab. Nach der Aufbereitung des Spermas
werden vergleichsweise nur wenige, etwa 100 000 Spermatozoen zu
den Eizellen hinzugegeben. In einigen Fällen ist es notwendig,
die Zugabe der Samenzellen (Insemination) um bis zu 24 Stunden
zu verzögern, wenn die Eizellen nicht die gewünschte Reife
zeigen. Die Befruchtung kann erstmalig am nächsten Morgen (nach
18 Stunden) beobachtet werden. Nach einer weiteren Nacht (40-48
Std. nach der Insemination) werden die geteilten Eizellen
(Embryonen) mit Hilfe eines dünnen Katheters in die Gebärmutter
transferiert. Danach bleibt die Patientin etwa 30-60 Minuten
liegen und kann die Praxis dann verlassen. Es werden maximal bis
zu drei Embryonen eingesetzt, um die Wahrscheinlichkeit für die
Einnistung (Schwangerschaft) zu erhöhen. Das Risiko für
Mehrlinge liegt bei ca. 15% - 20%. Nach dem in Deutschland seit
dem 1.1.1991 gültigen Embryonenschutzgesetz ist es nicht
gestattet, mehr als drei Embryonen zu erzeugen. Überzählige
Eizellen können in flüssigem Stickstoff bei -196° C eingefroren
werden (siehe Kapitel DIE TIEFGEFRIERUNG ).
Der Erfolg der IVF hängt von vielen Faktoren ab, so z. B. von
Der Spermaqualität, der Anzahl und Reife der Eizellen, Anzahl
der übertragenen Embryonen und nicht zuletzt auch davon, ob die
Gebärmutterschleimhaut (das Endometrium) die Einnistung des
Embryos zuläßt.
Schlechte Samenqualität, die sich insbesondere durch geringe Be
weglichkeit äußert, verhindert in den meisten Fällen eine
erfolgreiche Befruchtung. Die Befruchtungsrate liegt bei
krankhaften Spermiogramm bei ca. 30% (normal etwa 80%). Bei
Frauen mit schweren Hormonstörungen können oft nur Eizellen mit
ungenügender Reife gewonnen werden. Solche unreifen oder
überreifen Eizellen lassen sich in geringem Maße befruchten.
Hier ist der Zeitpunkt der Samenzugabe sehr wichtig. Durch ein
angepaßtes Stimulationsschema kann im nächsten Behandlungszyklus
diese Eizellreifungsstörung zumeist erfolgreich Therapie werden.
Die Einnistung der Embryonen wird mit Hormongabe unterstützt.
Trotzdem werden die meisten abgestoßen. Es wird angenommen, daß
ein Teil dieser Embryonen aufgrund schlechter Einnistungsbedingungen in
der Gebärmutterschleimhaut verloren geht. Ein weiterer nicht
unbeträchtlicher Teil der Embryonen entwickelt sich nicht weiter,
vermutlich wegen Schäden an der Erbsubstanz. In diesem Fall ist das
Ausbleiben einer Schwangerschaft auch als Schutzmechanismus der Natur gegen
Mißbildungen anzusehen.
Unter dem Begriff der assistierten Fertilisation versteht man
alle Verfahren und Techniken, die eingesetzt werden, um den
natürlichen Befruchtungsvorgang zwischen einer Eizelle und einem
Spermien zu unterstützen. Das erfolgreichste Verfahren der
assistierten Fertilisation stellt derzeit die erst 1992
eingeführte INTRACYTOPLASMATISCHE SPERMIEN INJEKTION, abgekürzt
ICSI, dar. Bei dieser Methode wird eine Samenzelle mit Hilfe
feinster Glaspipetten direkt in die Eizelle eingebracht
(injiziert). ICSI wird in erster Linie bei schwerer
Fertilisationsstörung des Mannes mit deutlich reduzierter
Spermienzahl, immotilen oder abnormalen Spermien eingesetzt.
Diese Verfahren ist auch dann angezeigt, wenn es in der
konventionellen IVF nicht gelingt, eine Befruchtung zu er
zielen.ICSI kann selbst dann erfolgreich durchgeführt werden,
wenn sich im Ejakulat keine Samenzellen befinden und diese
deshalb operativ aus dem Hoden bzw. Nebenhoden gewonnen werden
müssen (siehe auch Kapitel MESA/TESE).
Die ICSI-Behandlung hat insbesondere aus der Sicht der Patienten
große Ähnlichkeit mit der IVF-Behandlung. Die Stimulation der
Eierstöcke,die ultraschallgeführte Follikelpunktion und der
Embryotransfer sind bei beiden Verfahren gemeinsam.
Der Unterschied ist nur im Labor sichtbar, wo die Injektion
einer Samenzelle in eine Eizelle nicht nur eine unterschiedliche
Behandlung der Keimzellen verlangt, sondern auch einen hohen
apparativen Aufwand macht.
Vor der Durchführung der ICSI werden die Eizellen mit Hilfe
einer speziellen Enzymlösung von anhaftenden Granulosazellen
befreit (siehe Foto ,,Befruchtungsreife Eizelle", Seite 10). Die
freiliegenden Eizellen werden dann auf ihre Reife beurteilt. Nur
reife Oozyten ( sog. Metaphase II-Eizellen) können erfolgreich
initiiert werden. Parallel dazu findet die Aufbereitung der
Spermien statt. Hierbei gilt es, die wenigen gesunden Samenfäden
aufzufinden und zu isolieren. Nicht selten werden bei Patienten,
die für die ICSI angemeldet wurden, weniger Spermien gefunden
als Eizellen bei der Partnerin.
Vor der Injektion wird sie Samenzelle unbeweglich gemacht und in
eine Injektionspipette ( Außendurchmesser 0,007 mm) eingesaugt.
Anschließend wird eine Eizelle mit einer speziellen Haltepipette
festgehalten, die Injektionspipette mit der Samenzelle
eingeführt, die eine genaue Kontrolle der Microbewegungen
erlauben.
Die Erfolge der ICSI liegen auf ähnlich hohem Niveau wie die Er
gebnisse der konventionellen IVF für Männer mit normalen
Spermiogramm. Die Chance für einen Embryotransfer liegt bei über
90%. Die Schwangerschaftsrate pro Embryotransfer liegt seit Juli
1993(Einführung der ICSI) über 27%. Weltweit wurden bereits mehr
als 10 000 ICSI durchgeführt. Mehr als 1000 Kinder sind bereits
geboren.
Obwohl die ICSI-Behandlungsmethode noch relativ jung ist, läßt
sich aufgrund der hohen Behandlungszahlen vorläufig feststellen:
" Die Behandlung durch ICSI ist nach derzeitigem Wissensstand
und aus humangenetischer Sicht nicht mit einer erhöhten fetalen
Fehlbildungsrate verknüpft."
(Stellungsnahme der AG für Gynäkologische Endokrinologie und
Fortpflanzungsmedizin der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie
und Geburtshilfe, DER FRAUENARZT 6/1995, S 614-616). Da eine
abschließende Bewertung des Restrisikos nicht vorgenommen werden
kann, wird vor der Durchführung der intracytoplasmatischen
Spermiuminjektion eine humangenetische Abklärung (u.a.
Chromosomenanalyse) empfohlen. Beim Eintreten nach ICSI sollte
eine Amniozentese mit pränataler Chromosomenuntersuchung
durchgeführt werden. Die Durchführung der ICSI bedarf einer
schriftlichen Einverständniserklärung beider Ehepartner.
MESA (microsurgical epidymal sperm aspiration)
TESE (testicular sperm extraction)
Wenn im Ejakulat keine Samenzellen gefunden werden (Diagnose:
Azoospermie), handelt es sich entweder um einen Hodenschaden, so
daß keine Spermien produziert werden oder um einen Verschluß der
Samenleiter, der verhindert, daß Spermien bei der Ejakulation in
die Samenflüssigkeit gelangen. Mit Hilfe einer einfachen Pro
benentnahme am Hoden (Hoden-PE) kann die Ursache für die
Azoospermie festgestellt werden. Wenn wenigstens ein Hoden
Spermien produziert, können Samenzellen entweder aus dem
Nebenhoden aspiriert (MESA) oder direkt aus dem Hodengewebe
(TESE) isoliert werden.Beide Verfahren sind sehr aufwendig und
erfordern, daß der Mann sich am Tag der Eizellentnahme bei
seiner Frau einem ambulanten chirurgischen Eingriff an den Hoden
bei einem Urologen unterzieht. MESA und TESE werden nur in
Kombination mit ICSI angewandt.
Die Tiefgefrierung (Kryokonservierung) von Samenzellen und
Eizellen)
Spermien und Eizellen können heute über mehrere Monate und Jahre
gelagert werden, ohne daß sie ihre Lebenskraft einbüßen. Zu
diesem Zweck müssen sie tiefgefroren werden. Hierzu werden die
Keimzellen in besondere Gefrierschutzmittel-Lösungen gebracht.
Dann werden die Samen- bzw. Eizellen mit Hilfe
computerunterstützer Gefriergeräte, die eine schonende Abkühlung
der Keimzellen bis auf-196oC erlauben, tiefgefroren. Die
Lagerung erfolgt in flüssigem Stickstoff (-196oC), in speziellen
vakuumisolierten Behältern.
Solchermaßen konservierte Spermien oder Eizellen sind nach den
heutigen Erkenntnissen über mehrere Jahre, wenn nicht gar Jahr
zehnte, ohne Qualitätseinbußen lagerungsfähig.
Der Tiefgefrierprozeß wie auch die anschließend notwendige
Auftauprozedur bedeuten eine gewaltige Belastung (Streß) für die
Keimzellen. Deshalb ist es nicht verwunderlich, daß nicht jede
Samenzelle oder Eizelle die Tiefgefrierung überlebt.
Die Überlebungsraten in der Praxis betragen für:
- Samenzellen (normales Spermiogramm nach WHO-Richtlinien) 50%- 80%
- Samenzellen (eingeschränktes Spermiogramm nach WHO-Richtlinien) 0-50% 0%-50%
- Eizellen, unbefruchtet: 35%-50%
- Eizellen, in die eine Samenzelle eingedrungen ist (sog.
Vorkernstadien) >75%
Die Stimulation ist eine Behandlung mit menschlichen Hormonen
(Gonadotropine), die eine sehr enge Überwachung durch den Arzt
erfordert. Jede Patientin reagiert auf eine gegebene Dosis sehr
unterschiedlich. In einigen Fällen kann es durch die Stimulation
zu einer Vergrößerung der Eierstöcke und zur Zystenbildung
kommen. In seltenen Fällen, vor allem beim Eintritt einer
Schwangerschaft, kann eine stationäre Aufnahme notwendig
erscheinen. Die Überstimulation bildet sich gewöhnlich in
wenigen Tagen zurück. Manchmal muß eine Hormonbehandlung wegen
Überstimulation oder unzureichender Reaktion abgebrochen werden.
Die Follikelpunktion unter Ultraschallsicht gilt als eine sehr
zuverlässige Methode. In seltensten Fällen kann es zu Ver-
letzungen des Darmes oder eines Blutgefäßes kommen. Die Kompli-
kationsrate liegt ca. unter 1/1000.
Das Risiko für Mehrlingsschwangerschaften ist bei allen
Methoden, denen eine Stimulation vorausging, deutlich erhöht.
Die Häufigkeit für Zwillinge liegt bei ca 15%, für Drillinge
bei ca 3%. Insbesondere bei der IVF und ICSI läßt sich dieses
Risiko durch die Beschränkung der Zahl transferierter Embryonen
weiter eingrenzen.
Das Risiko für Fehlgeburten ist bei Sterilitätspatientinnen (15-
20%) generell höher als im Bevölkerungsdurchschnitt (12%).
Jedoch ist auch das Durchschnittsalter der Patienten mit
Fortpflanzungsstörungen erhöht ( bei etwa 32,5 Jahre).
Das Gesundheitsrisiko für das Kind, dessen Zeugung durch eine
der oben genannten Methoden unterstützt wurde, ist nicht erhöht.
Es ist dem Risiko gleich, das alle Eltern bei jeder
Schwangerschaft immer zu tragen haben.
Die Therapie der Sterilität ist eine Paarbehandlung. Sie richtet
sich an beide Partner, auch dann, wenn nur eine Seite davon be
troffen ist. Die Solidarität mit dem Partner und der gemeinsame
Kinderwunsch sind die Grundlage jeder ärztlichen Behandlung. Die
Zusammenhänge zwischen der Psyche und dem hormonellen Geschehen
im Körper werden selten so deutlich wie bei der ungewollten
Kinderlosigkeit.
Eine gute Kooperation zwischen den Patienten und dem Arzt hat
aber darüberhinaus auch ganz praktische Aspekte. Nachfolgend
sind deshalb einige Maßnahmen und Punkte, die das Paar beachten
sollte, stichwortartig skizziert:
- Vor und während der Sterilitätsbehandlung sollte keine
Allgemeinerkrankung (z. B. Grippe...) vorliegen. Sie sollten
beide gesund sein (fiebrige Erkrankung kann beim Mann das Sperma
beeinträchtigen).
- Medikamenten-, Alkohol- und Nikotinkonsum reduzieren bzw. ab
stellen (Angaben gegenüber dem Arzt machen).
- Bei schlechter Spermaqualität keine exzessiven Sauna- und Ba
deaufenthalte des Mannes (zuviel Wärme beeinträchtigt die
Produktion der Samenzellen).
- Vom Arzt/Labor vorgegebenen Zeitplan und Empfehlungen
beachten.
- Vor der Insemination oder Follikelpunktion unbedingt 4-5tägige
sexuelle Enthaltsamkeit (Karenz) einhalten. Zu lange oder zu
kurze Karenzzeit kann Beschaffenheit des Spermas
beeinträchtigen.
- Vor der Samengewinnung werden die Hände gründlich mit Seife
gewaschen und gründlich gespült (Hautkeime können eine Infektion
der Eizellenkultur verursachen).
- Am Tag der Follikelpunktion müssen Sie den Arzt über alles in-
formieren, was den Ablauf dieses Eingriffes stören könnte, ins
besondere bei Anzeichen von Krankheit, Einnahme von
Medikamenten, Alkohol.
- Für die Follikelpunktion sollte die Blase der Patientin leer
sein.
- Für den Embryotransfer soll die Blase gut gefüllt sein
(leichteres Eindringen in die Gebärmutter).
- Eine Woche nach Embryotransfer wird zur Unterstützung der Ein
nistung eine weitere Hormonspritze (HCG) gegeben. Häufig werden
auch Progesteron-Vaginalzäpfchen verschrieben.
- Zehn Tage nach der letzten Hormonspritze oder etwa 17 Tage
nach Embryotransfer sollte ein Schwangerschaftstest durchgeführt
werden, um den Erfolg der Behandlung zu überprüfen.
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interessiert sind, so schreiben Sie uns:
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