ECB Informationsbroschüre


Übersicht


Sehr geehrte Patienten!

Sie haben sich entschlossen, Ihren bisher unerfüllten Kinderwunsch behandeln zu lassen. Einige Praxen in der Bundesrepublik Deutschland haben sich auf die Diagnose und Therapie der ungewollten Kinderlosigkeit spezialisiert. Die Bandbreite der Behandlungsmöglichkeiten reicht dabei vom klärenden Arztgespräch bis hin zu aufwendigen operativen Eingriffen. Besonders im letzten Jahrzehnt hat uns die Wissenschaft eine Fülle an Erkenntnissen und Wegen zur Bewältigung der ungewollten Kinderlosigkeit beschert. So koennen heute viele ueberwiegend aussichtslose Fälle erfolgreich behandelt werden. Die Entscheidung, welche der zahlreichen und vielfach durch Abkürzung verschlüsselten Behandlungsmethoden (z.B. IVF, ICSI, MESA...) die richtige für Sie ist, hängt von sehr vielen Faktoren ab und wird nur nach gründlicher Untersuchung beider Partner gemeinsam mit Ihnen getroffen. Die nachfolgende Broschüre soll Sie über die wichtigsten modernen Behandlungsverfahren informieren und auf diese Weise helfen, die Kooperation zwischen Arzt und Patient optimal zu gestalten.

Die Situation

Die Fruchtbarkeit des Menschen ist die Grundlage seiner Existenz. Sie gehört, ähnlich wie das allgemeine Wohlbefinden, zu den selbstverständlichen Dingen des Lebens, die man erst registriert, wenn sie nicht wie gewünscht und erwartet funktionieren. Nach inoffiziellen Schätzungen bleibt etwa jede siebte Ehe ungewollt kinderlos; das bedeutet, daß in Deutschland über eine Million Paare mit unerfülltem Kinderwunsch leben. Dabei wird in den letzten Jahren, besonders in den Industrieländern, eine stetige Zunahme der Sterilität beobachtet. In etwa 30% der Fälle liegt die Ursache der Sterilität bei der Frau. Bei ca. 30-40% der Paare ist die Fortpflanzungsfähigkeit des Mannes gestört und in 30-40% bestehen sowohl weibliche als auch männliche Sterilitätsursachen.

Die normale menschliche Fortpflanzung

Nach Beginn der Regelblutung reift im Eierstock der Frau im sogenannten Follikel (Eibläschen) innerhalb von zwei Wochen eine Eizelle heran. Dieser Vorgang wird, ebenso wie der Eisprung, hormonell gesteuert. Durch den Eisprung wird die Eizelle vom Eierstock freigegeben und gelangt in den Eileiter. Dieser übernimmt den Transport der Eizelle in die Gebärmutter. Während des Geschlechtsverkehrs werden Millionen von Spermatozoen (Samenzellen) in der Scheide deponiert, von wo aus sie durch den Gebärmutterhals und die Gebärmutter in die Eileiter einwandern und dort die Eizelle befruchten. Auf ihrem Weg von der Scheide bis zum Eileiter wird die Anzahl der Samenzellen stark vermindert,so daß letztlich nur wenige (10-500) bis zur Eizelle gelangen und nur ein Samenfaden in sie eindringt. Die befruchtete Eizelle (Embryo) teilt sich noch im Eileiter mehrfach und nistet sich nach 5-6 Tagen in der Gebärmutter ein.

Störungen der normalen menschlichen Fortpflanzung

Die menschliche Fortpflanzung gehört zu den hochspezialisierten und kompliziertesten Vorgängen, die in unserem Körper ablaufen. Sie besteht aus vielen Teilprozessen, die allesamt ohne Störung funktionieren müssen, soll es zu der gewünschten Entstehung neuen Lebens kommen. Deshalb ist auch die Fruchtbarkeit des Menschen bei weitem nicht so hoch wie stets angenommen wird. Tatsächlich werden nur etwa 25% der Frauen in dem von ihnen gewünschten Zyklus schwanger. Die Fortpflanzungsstörungen lassen sich in drei Kategorien zusammenfassen: Ungewollte Kinderlosigkeit kann ihre Ursache darin haben, daß nicht genügend befruchtungsfähige Samen- oder Eizellen gebildet werden. Die Bildung von befruchtungsreifen Eizellen kann erst nach gründlicher Analyse der Bluthormone zuverlässig nachgewiesen werden. Störungen des Hormonhaushalts, die die Eizellreifung behindern, können u.a. durch mangelhafte Funktion der Eierstöcke, der Hirnanhangsdrüse, der Schilddrüse oder der Nebennierenrinde bewirkt werden. Diese Störungen lassen sich vielfach mit Hilfe besonderer Medikamente, so z.B. mit Hormonpräparaten, erfolgreich behandeln. Beim Mann läßt sich durch eine mikroskopische und funktionelle Untersuchung der Samen- flüsssigkeit die ausreichende Produktion von qualitativ hochwertigen Spermien überprüfen. Die Bildung von Millionen beweglicher und normal aussehender Spermatozoen ist aufgrund der hohen Verluste im weiblichen Genitaltrakt notwendig. Störungen der Samenzellproduktion können im Hormonhaushalt des Patienten begründet sein. Zumeist handelt es sich jedoch um direkte Defekte des Hodens oder um derzeit noch unbekannte Ursachen. Die medikamentöse Behandlung des Mannes ist zur Zeit nur in wenigen Fällen erfolgreich. Dagegen kann heute sehr vielen Männern, bei denen keine Spermien im Ejakulat nachgewiesen werden konnten, durch einen operativen Eingriff am Hoden bzw. Nebenhoden geholfen werden (MESA, TESE, ... , siehe auch Kapitel "Die assistierte Fertilisation"). Allgemeinerkrankungen (z.B. Grippe) haben einen nachteiligen Effekt auf die Ejakulatqualität. Eine häufige Ursache für unerfüllten Kinderwunsch bilden Hindernisse, die ein Zusammentreffen von Eizelle und Spermatozoen verhindern. Hierzu zählen insbesondere verklebte Eileiter, Verwachsungen im Bereich der Eierstöcke und schlechte Qualität des Zervixmukus (Muttermundschleim). Auch Antikörper gegen Samenzellen können deren Wanderung verhindern. Die Behandlung dieser Art von Störungen ist die eigentliche Domäne der modernen Fortpflanzungsmedizin. Hier es gibt operative und instrumentelle Maßnahmen, um den Eizell-Spermatozoen-Kontakt zu ermöglichen. Weitestgehend ohne Behandlungserfolg waren bislang direkte Störungen an Eizellen und Spermien, die das Eindringen in die Eizelle verhinderten. Heute können mit Hilfe der Microinjektion selbst dann Befruchtungen und eine Schwangerschaft erzielt werden, wenn die Samenzellen eine abnorme Form und Beweglichkeit aufweisen. Auch Eizellen mit einer undurchdringlichen, weil zu dicken oder veränderten Hülle (Glashaut, Zona pellucida), können auf diese Weise erfolgreich behandelt werden. Als Ursache von Unfruchtbarkeit werden auch Chromosomenanomalien in Keim- zellen beobachtet, d.h., ein Kind kann aufgrund fehlerhafter Erbinformation nicht gezeugt werden.Insbesondere bei Frauen über 40 scheint ein hoher Anteil der Eizellen genetisch verändert zu sein, so daß sich hier auch aus diesem Grund eine verminderte Befruchtungsfähigkeit, erhöhte Fehlgeburtsrate und Mißbildungshäufigkeit bemerkbar machen. Ein noch weitgehend unerforschtes Feld stellt die Einnistung der Eizelle in der Gebärmutterschleimhaut dar. Hier werden neue diagnostische und therapeutische Verfahren erst in Ansätzen sichtbar, und eine ab- schließende Beurteilung ist noch nicht möglich. In vielen Fällen hat es sich aber als günstig erwiesen, die zweite Zyklushälfte, die als Gelbkörperphase, mit Hormonen wie Progesteron (Gelbkörperhormon) oder HCG zu unterstützen.

Die Behandlung der weiblichen und männlichen Sterilität Sterilität

Vor der Behandlung der ungewollten Kinderlosigkeit ist eine Vielzahl diagnostischer Schritte notwendig, aus denen ersichtlich werden soll, welcher Art die Sterilitätsursache ist und welche Maßnahmen getroffen werden müssen, um diese Störung zu beheben oder doch zumindest zu umgehen. Es müssen daher folgende Punkt geklärt werden.

Bei der Frau: Bei dem Mann:

Die hormonelle Stimulation

Bei sehr vielen Patienten mit unerfülltem Kinderwunsch bestehen hormonelle Störungen, die nicht zuletzt durch die Kinderlosigkeit selbst verursacht werden können (psychosomatische Störungen). Daher steht die Korrektur der hormonellen Verhältnisse zumeist an erster Stelle der Behandlung. Auch erfordern die meisten modernen Verfahren der Fortpflanzungsmedizin eine hormonelle Stimulation, um den Eisprung genau festzulegen und (wie z.B. bei der In-Vitro- Fertilisation) um die Anzahl der Eizellen und somit die Chancen für eine Schwangerschaft zu erhöhen. Die hormonelle Stimulation beginnt zumeist am 3.- 5. Zyklustag mit der Einnahme von Tabletten (z.B. Clomifen, Stimovul ...) oder der Verabreichung von Spritzen (z.B. Humegon, Pergonal, Fertinorm, Menogon ...). Die von außen zugeführten Hormone regen die Eierstöcke an, mehrere Follikel (Eibläschen) mit darin reifenden Eizellen heranzubilden. Das Wachstum der Follikel kann mit Hilfe von Blutanalysen der Eierstockshormone genau beurteilt werden. Auch der Zeitpunkt des Eisprungs wird auf diese Weise festgelegt. Mit Hilfe des Hormons HCG (z.B. Cordon, Phrenesie, Predalon ...) wird der Eisprung bis auf 2-3 Stunden genau ausgelöst und so eine bzw. mehrere reife Eizellen für die Behandlung (Insemination, IVF, GIFT, ICSI ... siehe unten) bereitgestellt. Bei Patientinnen, bei denen aus vorherigen Stimulationen Reifungsstörungen der Eizellen bekannt sind oder gar ein vorzeitiger LH-Anstieg (LH ist ein Hormon der Hirnanhangdrüse und bewirkt u.a. den Eisprung) registriert worden ist, wird ca. 7 Tage vor der erwarteten Regel eine Behandlung mit GnRH-Analoga (Decapeptyl, Zoladex, Synarela, Suprefact ...) begonnen, um einen vorzeitigen Eisprung bzw. vorzeitige Alterung der Eizellen zu verhindern. GnRH-Analoga gibt es als Spritzen (auch mit Depot- Wirkung) und als Nasenspray. Die Stimulation der Eierstöcke ist eine sehr aufwendige und auf engmaschige Kontrolle durch den Arzt abgestimmte Therapie. Die Patientin muß sich ab dem 7.- 8. Zyklustag mehreren Ultraschalluntersuchungen und Blutentnahmen unterziehen. Bei drohender Überstimulation (übermäßiges Wachstum der Eibläschen und Vergrößerung der Eierstöcke) muß die Stimulation abgebrochen werden. Die Auslösung des Eisprung unterbleibt.

Die Insemination

Bei der Insemination unterscheidet man die homologe und die heterologe Insemination. Bei der homologen Insemination wird der Samen des Ehemannes, bei der heterologen Insemination Samen von einem Spender (Sperm Bank) verwendet. Die Insemination ist eine Behandlung, in der das Sperma mit Hilfe einer Spritze und eines dünnen flexiblen Katheters in den Muttermund, die Gebärmutter oder in die Eileiter eingespritzt wird (siehe GIFT-Therapie). Sie ist sinnvoll in Fällen, wenn normaler Geschlechtsverkehr nicht durchführbar ist, wenn am Muttermund und in der Gebärmutter ungünstige Verhältnisse für Samenzellen bestehen (schlechter Muttermundschleim, Antikörper...) und/oder die Anzahl gesunder Spermien sehr gering ist oder keine lebenden Spermien vorhanden sind. Die Eileiter müssen durchgängig sein. Für die Insemination werden die Spermien "gewaschen". Der Waschvorgang befreit die Spermien von der Samenflüssigkeit und aktiviert sie auf diese Weise. Darüber hinaus können "gewaschene" Samenzellen tiefer in den Genitaltrakt der Frau eingebracht werden, ohne eine nachteilige Reaktion des weiblichen Organismus zu befürchten (selten Krämpfe). Der Erfolg dieser Therapie, die Schwangerschaft, ist in den ersten sechs Zyklen zu erwarten, sonst ist eine weitergehende Diagnostik (z.B. Laparoskopie) und Therapie(z.B. IVF) angezeigt: Je nach Voraussetzung liegen die Schwangerschaftraten zwischen 6% und 25% pro Zyklus. Den größten Einfluß auf den Erfolg hat dabei, und das gilt auch für alle anderen Methoden der assistierten Fortpflanzung, die Spermienqualität. Sowohl die homolog als auch die heterologe Inseminationen können auch in Kiel, Schleswig-Holstein, durchgeführt werden.

Die GIFT-Therapie(Intratubarer Gametentransfer)

Die GIFT-Behandlung ist ein Verfahren, das sich bei Paaren bewährt hat, bei denen die Ursache für die Kinderlosigkeit unbekannt ist. Voraussetzung für die Durchführung der GIFT ist die freie Durchgängigkeit der Eileiter (Tuben). Man kann den intratubaren Gametentransfer entweder laparoskopisch, d.h. durch Bauchspiegelung oder durch die Scheide und Gebärmutter (transuterine GIFT) vornehmen lassen. Im ersten Fall werden Eizellen von oben, durch die Bauchdecke aus den Eierstöcken mit einer feinen Nadel abgesaugt, in einer Nährlösung gesammelt uns beurteilt. Danach werden drei reife Eizellen gemeinsam mit besonders präparierten Spermien in einen dünnen Plastikschlauch (Katheter) aufgezogen und unter Sicht des Operateurs in den Eileiter deponiert. Bei der transuterinen GIFT erfolgt die Punktion der Eibläschen von untern durch die Scheidenwand. Danach werden Eizellen und Spermien durch die Scheide und Gebärmutter in den Eileiter vorgeschoben und dort plaziert. Die Vorteile der GIFT: Eizellen und Spermien werden in sehr engen Kontakt gebracht und die Befruchtung sowie die ersten Teilungsschritte der Embryonen finden in ihrer natürlichen Umgebung, nämlich im Eileiter statt. Ein wesentlicher Nachteil der GIFT-Methode: Wenn die Patientin nicht schwanger wird, läßt es sich nicht beurteilen, ob die Befruchtung der Eizellen überhaupt gelungen ist. Die Erfolgsrate bei der GIFT liegt zwischen 10% und 40% und hängt vor allem von der Samenqualität und dem Alter der Patientin ab. Auch hormonelle Störungen beeinflussen die Erfolgschancen.

Die In-Vitro-Fertilisation(IVF)

Die In-Vitro-Fertilisation, auch bekannt unter der Bezeichnung Extra Corporale Befruchtung (ECB) oder Retortenbefruchtung, ist insbesondere dann angezeigt, wenn die Eileiter verschlossen sind oder gänzlich fehlen: Aber auch bei Paaren mit unbekannter Sterilitätsursache oder schlechtem Spermabefund wird die IVF er folgreich durchgeführt. Neben der Bedeutung als Behandlungsverfah- ren hat die IVF einen hohen Erkenntniswert für die weitere Therapie. Kommt es nämlich zu einer Befruchtung in der IVF, sind weitere, Behandlungsschritte sinnvoll. Bleibt dagegen einer Befruchtung reifer Eizellen aus, verbleibt häufig nur als letzte Behandlungsmöglichkeit die Durchführung der Microinjektion. In den meisten Fällen erfordert die IVF-Behandlung eine Stimulation mit Hormonen, beginnend am 1.bis 3. Zyklustag. Wie bereits im Abschnitt "Die hormonelle Stimulation" geschildert, werden Hormontabletten und/oder -spritzen verabreicht. Mit Hilfe von Blutanalysen und Ultraschllüberwachung des Wachstums der Eibläschen wird der Zeitpunkt der HCG-Injektion (den Eisprung auslösendes Hormon) festgelegt und damit der Tag und die Stunde der Follikelpunktion (36 Std. nach HCG) bestimmt. Die Eizellgewinnung erfolgt unter Ultraschallsicht mit Hilfe einer feinen Nadel. Gewöhnlich wird die Patientin hierzu örtlich an der Scheidenwand betäubt. Durch ein Schlauchsystem werden die Eibläschen abgesaugt. Sodann wird im Labor die Follikelflüssigkeit auf das Vorhandensein von Eizellen untersucht. Werden Eizellen gefunden, kommen sie in eine Nährlösung (Kulturmedium), wo sie bis zum Einsetzen in die Gebärmutter (Embryotransfer) ca. 40-70 Stunden verbleiben. Nach der Punktion ruht sich die Patientin aus und kann dann nach Hause gehen. Parallel zu der Punktion bzw. kurz danach gibt der Ehemann seinen Samen ab. Nach der Aufbereitung des Spermas werden vergleichsweise nur wenige, etwa 100 000 Spermatozoen zu den Eizellen hinzugegeben. In einigen Fällen ist es notwendig, die Zugabe der Samenzellen (Insemination) um bis zu 24 Stunden zu verzögern, wenn die Eizellen nicht die gewünschte Reife zeigen. Die Befruchtung kann erstmalig am nächsten Morgen (nach 18 Stunden) beobachtet werden. Nach einer weiteren Nacht (40-48 Std. nach der Insemination) werden die geteilten Eizellen (Embryonen) mit Hilfe eines dünnen Katheters in die Gebärmutter transferiert. Danach bleibt die Patientin etwa 30-60 Minuten liegen und kann die Praxis dann verlassen. Es werden maximal bis zu drei Embryonen eingesetzt, um die Wahrscheinlichkeit für die Einnistung (Schwangerschaft) zu erhöhen. Das Risiko für Mehrlinge liegt bei ca. 15% - 20%. Nach dem in Deutschland seit dem 1.1.1991 gültigen Embryonenschutzgesetz ist es nicht gestattet, mehr als drei Embryonen zu erzeugen. Überzählige Eizellen können in flüssigem Stickstoff bei -196° C eingefroren werden (siehe Kapitel DIE TIEFGEFRIERUNG ). Der Erfolg der IVF hängt von vielen Faktoren ab, so z. B. von Der Spermaqualität, der Anzahl und Reife der Eizellen, Anzahl der übertragenen Embryonen und nicht zuletzt auch davon, ob die Gebärmutterschleimhaut (das Endometrium) die Einnistung des Embryos zuläßt. Schlechte Samenqualität, die sich insbesondere durch geringe Be weglichkeit äußert, verhindert in den meisten Fällen eine erfolgreiche Befruchtung. Die Befruchtungsrate liegt bei krankhaften Spermiogramm bei ca. 30% (normal etwa 80%). Bei Frauen mit schweren Hormonstörungen können oft nur Eizellen mit ungenügender Reife gewonnen werden. Solche unreifen oder überreifen Eizellen lassen sich in geringem Maße befruchten. Hier ist der Zeitpunkt der Samenzugabe sehr wichtig. Durch ein angepaßtes Stimulationsschema kann im nächsten Behandlungszyklus diese Eizellreifungsstörung zumeist erfolgreich Therapie werden. Die Einnistung der Embryonen wird mit Hormongabe unterstützt. Trotzdem werden die meisten abgestoßen. Es wird angenommen, daß ein Teil dieser Embryonen aufgrund schlechter Einnistungsbedingungen in der Gebärmutterschleimhaut verloren geht. Ein weiterer nicht unbeträchtlicher Teil der Embryonen entwickelt sich nicht weiter, vermutlich wegen Schäden an der Erbsubstanz. In diesem Fall ist das Ausbleiben einer Schwangerschaft auch als Schutzmechanismus der Natur gegen Mißbildungen anzusehen.

Die assistierte Fertilisation (Microinjektion)

Unter dem Begriff der assistierten Fertilisation versteht man alle Verfahren und Techniken, die eingesetzt werden, um den natürlichen Befruchtungsvorgang zwischen einer Eizelle und einem Spermien zu unterstützen. Das erfolgreichste Verfahren der assistierten Fertilisation stellt derzeit die erst 1992 eingeführte INTRACYTOPLASMATISCHE SPERMIEN INJEKTION, abgekürzt ICSI, dar. Bei dieser Methode wird eine Samenzelle mit Hilfe feinster Glaspipetten direkt in die Eizelle eingebracht (injiziert). ICSI wird in erster Linie bei schwerer Fertilisationsstörung des Mannes mit deutlich reduzierter Spermienzahl, immotilen oder abnormalen Spermien eingesetzt. Diese Verfahren ist auch dann angezeigt, wenn es in der konventionellen IVF nicht gelingt, eine Befruchtung zu er zielen.ICSI kann selbst dann erfolgreich durchgeführt werden, wenn sich im Ejakulat keine Samenzellen befinden und diese deshalb operativ aus dem Hoden bzw. Nebenhoden gewonnen werden müssen (siehe auch Kapitel MESA/TESE). Die ICSI-Behandlung hat insbesondere aus der Sicht der Patienten große Ähnlichkeit mit der IVF-Behandlung. Die Stimulation der Eierstöcke,die ultraschallgeführte Follikelpunktion und der Embryotransfer sind bei beiden Verfahren gemeinsam. Der Unterschied ist nur im Labor sichtbar, wo die Injektion einer Samenzelle in eine Eizelle nicht nur eine unterschiedliche Behandlung der Keimzellen verlangt, sondern auch einen hohen apparativen Aufwand macht. Vor der Durchführung der ICSI werden die Eizellen mit Hilfe einer speziellen Enzymlösung von anhaftenden Granulosazellen befreit (siehe Foto ,,Befruchtungsreife Eizelle", Seite 10). Die freiliegenden Eizellen werden dann auf ihre Reife beurteilt. Nur reife Oozyten ( sog. Metaphase II-Eizellen) können erfolgreich initiiert werden. Parallel dazu findet die Aufbereitung der Spermien statt. Hierbei gilt es, die wenigen gesunden Samenfäden aufzufinden und zu isolieren. Nicht selten werden bei Patienten, die für die ICSI angemeldet wurden, weniger Spermien gefunden als Eizellen bei der Partnerin. Vor der Injektion wird sie Samenzelle unbeweglich gemacht und in eine Injektionspipette ( Außendurchmesser 0,007 mm) eingesaugt. Anschließend wird eine Eizelle mit einer speziellen Haltepipette festgehalten, die Injektionspipette mit der Samenzelle eingeführt, die eine genaue Kontrolle der Microbewegungen erlauben. Die Erfolge der ICSI liegen auf ähnlich hohem Niveau wie die Er gebnisse der konventionellen IVF für Männer mit normalen Spermiogramm. Die Chance für einen Embryotransfer liegt bei über 90%. Die Schwangerschaftsrate pro Embryotransfer liegt seit Juli 1993(Einführung der ICSI) über 27%. Weltweit wurden bereits mehr als 10 000 ICSI durchgeführt. Mehr als 1000 Kinder sind bereits geboren. Obwohl die ICSI-Behandlungsmethode noch relativ jung ist, läßt sich aufgrund der hohen Behandlungszahlen vorläufig feststellen: " Die Behandlung durch ICSI ist nach derzeitigem Wissensstand und aus humangenetischer Sicht nicht mit einer erhöhten fetalen Fehlbildungsrate verknüpft." (Stellungsnahme der AG für Gynäkologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, DER FRAUENARZT 6/1995, S 614-616). Da eine abschließende Bewertung des Restrisikos nicht vorgenommen werden kann, wird vor der Durchführung der intracytoplasmatischen Spermiuminjektion eine humangenetische Abklärung (u.a. Chromosomenanalyse) empfohlen. Beim Eintreten nach ICSI sollte eine Amniozentese mit pränataler Chromosomenuntersuchung durchgeführt werden. Die Durchführung der ICSI bedarf einer schriftlichen Einverständniserklärung beider Ehepartner. MESA (microsurgical epidymal sperm aspiration) TESE (testicular sperm extraction) Wenn im Ejakulat keine Samenzellen gefunden werden (Diagnose: Azoospermie), handelt es sich entweder um einen Hodenschaden, so daß keine Spermien produziert werden oder um einen Verschluß der Samenleiter, der verhindert, daß Spermien bei der Ejakulation in die Samenflüssigkeit gelangen. Mit Hilfe einer einfachen Pro benentnahme am Hoden (Hoden-PE) kann die Ursache für die Azoospermie festgestellt werden. Wenn wenigstens ein Hoden Spermien produziert, können Samenzellen entweder aus dem Nebenhoden aspiriert (MESA) oder direkt aus dem Hodengewebe (TESE) isoliert werden.Beide Verfahren sind sehr aufwendig und erfordern, daß der Mann sich am Tag der Eizellentnahme bei seiner Frau einem ambulanten chirurgischen Eingriff an den Hoden bei einem Urologen unterzieht. MESA und TESE werden nur in Kombination mit ICSI angewandt. Die Tiefgefrierung (Kryokonservierung) von Samenzellen und Eizellen) Spermien und Eizellen können heute über mehrere Monate und Jahre gelagert werden, ohne daß sie ihre Lebenskraft einbüßen. Zu diesem Zweck müssen sie tiefgefroren werden. Hierzu werden die Keimzellen in besondere Gefrierschutzmittel-Lösungen gebracht. Dann werden die Samen- bzw. Eizellen mit Hilfe computerunterstützer Gefriergeräte, die eine schonende Abkühlung der Keimzellen bis auf-196oC erlauben, tiefgefroren. Die Lagerung erfolgt in flüssigem Stickstoff (-196oC), in speziellen vakuumisolierten Behältern. Solchermaßen konservierte Spermien oder Eizellen sind nach den heutigen Erkenntnissen über mehrere Jahre, wenn nicht gar Jahr zehnte, ohne Qualitätseinbußen lagerungsfähig. Der Tiefgefrierprozeß wie auch die anschließend notwendige Auftauprozedur bedeuten eine gewaltige Belastung (Streß) für die Keimzellen. Deshalb ist es nicht verwunderlich, daß nicht jede Samenzelle oder Eizelle die Tiefgefrierung überlebt. Die Überlebungsraten in der Praxis betragen für: - Samenzellen (normales Spermiogramm nach WHO-Richtlinien) 50%- 80% - Samenzellen (eingeschränktes Spermiogramm nach WHO-Richtlinien) 0-50% 0%-50% - Eizellen, unbefruchtet: 35%-50% - Eizellen, in die eine Samenzelle eingedrungen ist (sog. Vorkernstadien) >75%

Sterilitätstherapie und ihre Risiken

Die Stimulation ist eine Behandlung mit menschlichen Hormonen (Gonadotropine), die eine sehr enge Überwachung durch den Arzt erfordert. Jede Patientin reagiert auf eine gegebene Dosis sehr unterschiedlich. In einigen Fällen kann es durch die Stimulation zu einer Vergrößerung der Eierstöcke und zur Zystenbildung kommen. In seltenen Fällen, vor allem beim Eintritt einer Schwangerschaft, kann eine stationäre Aufnahme notwendig erscheinen. Die Überstimulation bildet sich gewöhnlich in wenigen Tagen zurück. Manchmal muß eine Hormonbehandlung wegen Überstimulation oder unzureichender Reaktion abgebrochen werden. Die Follikelpunktion unter Ultraschallsicht gilt als eine sehr zuverlässige Methode. In seltensten Fällen kann es zu Ver- letzungen des Darmes oder eines Blutgefäßes kommen. Die Kompli- kationsrate liegt ca. unter 1/1000. Das Risiko für Mehrlingsschwangerschaften ist bei allen Methoden, denen eine Stimulation vorausging, deutlich erhöht. Die Häufigkeit für Zwillinge liegt bei ca 15%, für Drillinge bei ca 3%. Insbesondere bei der IVF und ICSI läßt sich dieses Risiko durch die Beschränkung der Zahl transferierter Embryonen weiter eingrenzen. Das Risiko für Fehlgeburten ist bei Sterilitätspatientinnen (15- 20%) generell höher als im Bevölkerungsdurchschnitt (12%). Jedoch ist auch das Durchschnittsalter der Patienten mit Fortpflanzungsstörungen erhöht ( bei etwa 32,5 Jahre). Das Gesundheitsrisiko für das Kind, dessen Zeugung durch eine der oben genannten Methoden unterstützt wurde, ist nicht erhöht. Es ist dem Risiko gleich, das alle Eltern bei jeder Schwangerschaft immer zu tragen haben.

Was Patienten beachten sollten

Die Therapie der Sterilität ist eine Paarbehandlung. Sie richtet sich an beide Partner, auch dann, wenn nur eine Seite davon be troffen ist. Die Solidarität mit dem Partner und der gemeinsame Kinderwunsch sind die Grundlage jeder ärztlichen Behandlung. Die Zusammenhänge zwischen der Psyche und dem hormonellen Geschehen im Körper werden selten so deutlich wie bei der ungewollten Kinderlosigkeit. Eine gute Kooperation zwischen den Patienten und dem Arzt hat aber darüberhinaus auch ganz praktische Aspekte. Nachfolgend sind deshalb einige Maßnahmen und Punkte, die das Paar beachten sollte, stichwortartig skizziert: - Vor und während der Sterilitätsbehandlung sollte keine Allgemeinerkrankung (z. B. Grippe...) vorliegen. Sie sollten beide gesund sein (fiebrige Erkrankung kann beim Mann das Sperma beeinträchtigen). - Medikamenten-, Alkohol- und Nikotinkonsum reduzieren bzw. ab stellen (Angaben gegenüber dem Arzt machen). - Bei schlechter Spermaqualität keine exzessiven Sauna- und Ba deaufenthalte des Mannes (zuviel Wärme beeinträchtigt die Produktion der Samenzellen). - Vom Arzt/Labor vorgegebenen Zeitplan und Empfehlungen beachten. - Vor der Insemination oder Follikelpunktion unbedingt 4-5tägige sexuelle Enthaltsamkeit (Karenz) einhalten. Zu lange oder zu kurze Karenzzeit kann Beschaffenheit des Spermas beeinträchtigen. - Vor der Samengewinnung werden die Hände gründlich mit Seife gewaschen und gründlich gespült (Hautkeime können eine Infektion der Eizellenkultur verursachen). - Am Tag der Follikelpunktion müssen Sie den Arzt über alles in- formieren, was den Ablauf dieses Eingriffes stören könnte, ins besondere bei Anzeichen von Krankheit, Einnahme von Medikamenten, Alkohol. - Für die Follikelpunktion sollte die Blase der Patientin leer sein. - Für den Embryotransfer soll die Blase gut gefüllt sein (leichteres Eindringen in die Gebärmutter). - Eine Woche nach Embryotransfer wird zur Unterstützung der Ein nistung eine weitere Hormonspritze (HCG) gegeben. Häufig werden auch Progesteron-Vaginalzäpfchen verschrieben. - Zehn Tage nach der letzten Hormonspritze oder etwa 17 Tage nach Embryotransfer sollte ein Schwangerschaftstest durchgeführt werden, um den Erfolg der Behandlung zu überprüfen.

Persönliche Beratung

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